20160707_131510-2.jpg

Vergütung


Nach der "Empfehlung zur Vergütung von wissenschaftlichen Volontärinnen und Volontären in Museen" des Deutschen Museumsbundes und ICOM Deutschland vom Mai 2007 und dem Leitfaden für das wissenschaftliche Volontariat des DMB sollte sich die Vergütung des wissenschaftlichen Volontariats an den jeweils geltenden Tarifverträgen für öffentliche Bedienstete (TVöD/TVL/BAT) orientieren und der Hälfte der Eingruppierung von TVöD 13 entsprechen (derzeit 1793.86 € brutto, Stand 08/2017). Diese Vergütung ist damit zu begründen, „dass die Volontär/e/innen wissenschaftlich qualifizierte Kräfte sind (daher Eingruppierung in TVöD 13), das Volontariat jedoch andererseits der spezifischen Qualifizierung dient (daher die Hälfte der tariflichen Vergütung).“[1]

Differenzen bei der Bezahlung existieren nach wie vor. Zum einen, weil die Bezeichnung "Volontariat" rechtlich nicht fixiert ist, zum anderen, weil die Bezahlung der Volontärinnen und Volontäre nicht im Mindestlohngesetz (MiLoG) geregelt ist – obwohl ein Volontariat im Sinne des Berufsbildungsgesetzes kein Ausbildungsverhältnis ist. Während die Volontärinnen und Volontäre in den meisten Bundesländern inzwischen größtenteils nach der oben genannten Empfehlung vergütet werden, kann das reiche Bayern hier nicht als Vorzeigearbeitgeber glänzen.
Zwar erhalten einige wenige VolontärInnen immerhin den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn, doch mehr als die Hälfte wird mit den Anwärterbezügen für Beamte auf Widerruf im Vorbereitungsdienst der vierten Qualifikationsebene (derzeit 1350,08 € brutto, Stand 10/2016) entlohnt. Ihnen bleibt jeden Monat netto nur ein Betrag von etwa 1000 €, manchmal sogar weniger. In Ballungszentren wie München oder Nürnberg ist damit der Lebensunterhalt kaum zu bestreiten. Bei einem Durchschnittsalter von 30 Jahren sind viele VolontärInnen deshalb trotz Vollzeitbeschäftigung, Hochschulabschluss und teils sogar Promotion auf einen Nebenjob bzw. die finanzielle Unterstützung durch die Eltern oder die Agentur für Arbeit angewiesen.    

Nach einem Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag (Juli 2015), haben Finanz- und Kultusministerium zum 1.1.2016 beschlossen, für die wissenschaftlichen VolontärInnen an staatlichen Kultureinrichtungen nun endlich eine Vergütung in Höhe des empfohlenen halben Gehalts der Entgeltgruppe TV-L 13 festzulegen. Damit ist ein großer Meilenstein erreicht, von dem hoffentlich auch eine Signalwirkung auf die nichtstaatlichen Museen ausgeht.

Der AK Volontariat Bayern spricht sich deutlich für eine einheitliche Bezahlung aller bayerischen Volontärinnen und Volontäre an staatlichen und nichtstaatlichen Häusern entsprechend der Empfehlung des Deutschen Museumsbundes und ICOM Deutschlands nach ½ TVöD 13 aus. Die Volontärinnen und Volontäre leisten einen wesentlichen Beitrag in der täglichen Museumsarbeit, in manchen Einrichtungen ersetzen sie sogar ganze Stellen – ein Umstand, der gerecht entlohnt werden sollte.
 
[1] Deutscher Museumsbund e.V./ ICOM Deutschland (Hrsg.), Leitfaden für das wissenschaftliche Volontariat, Berlin 2009, S. 7. 
 

Weitere Informationen zum Thema Vergütung:

  • Reaktionen in der Presse (Auszüge):
  • Bortloff, Jens, Das Recht des wissenschaftlichen Volontariats an Museen, in: Deutscher Museumsbund (Hrsg.), Museumskunde 79 (2014), Heft 2, S.47-55  (Der Artikel steht auf der Website des AK Volontariats beim DMB zum Download bereit).
  • Mayr, Christoph/ Bock, Stefanie/ Tischberger, Roman/ Fendl, Johanna, Meistens nicht mal Mindestlohn. Zur Situation bayerischer Volontäre zwischen Arbeit, Ausbildung und Vergütung, in: Museum Heute 47 (2015), S.74-78. 

Diese Seite teilen

Museumswebsite gefördert durch:

Landesstelle für die nichtstaatlichen Mussen in Bayern
Bayerische Sparkassenstiftung